Tierisches aus dem Sozialreich

Wassereck gegen Sandburg
 



Vor langer Zeit verabredete der Bezirksverband Pfalz mit dem Bezirk Oberbayern, daß zwischen der Pfalzklinik Wassereck und dem Bezirkskrankenhaus Sandburg am Inn jedes Jahr ein Wettrudern über 1000 Meter mit einem Achter auf dem Rhein ausgetragen werden sollte.

Beide Mannschaften trainierten lang und hart, um ihre größte Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Als der große Tag des Wettkamfes endlich da war, waren beide Mannschaften topfit. Die Ruderer aus Sandburg gewannen jedoch klar mit über 400 m Vorsprung. Nach dieser Niederlage war das Pfalzklinik-Team sehr niedergeschlagen, und die Moral war auf dem Tiefpunkt.

Das obere Management entschied, daß der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden mußte. Ein Projektteam wurde eingesetzt, um das Problem zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu empfehlen.

Die Untersuchung ergab: Das Problem war, daß bei den Oberbayern acht Leute ruderten und ein Mann steuerte. Im Pfalzklinik-Team ruderte ein Mann und acht Leute steuerten.

Das obere Management engagierte sofort eine Beraterfirma, um eine Studie über die Struktur des Pfalzklinik-Teams anfertigen zu lassen. Nach Kosten in Millionenhöhe und einigen Monaten Auswertung kamen die Berater zu dem Schluß: Es steuern zu viele Leute, und es rudern zu wenig.

Um einer Niederlage gegen die Oberbayern im nächsten Jahr vorzubeugen, wurde die Teamstruktur geändert. Es gab jetzt vier Steuerleute, drei Obersteuerleute und einen Steuerdirektor.

Ein Leistungsbewertungssystem wurde eingeführt, um dem Mann, der das Boot rudern sollte, mehr Ansporn zu geben, sich noch mehr anzustrengen und ein Leistungsträger zu werden. 'Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben. Damit sollte es gelingen !'

Im nächsten Jahr gewinnen die Oberbayern mit 800 m Vorsprung. Die Konsequenz: Die Pfalzklinik entläßt den Ruderer wegen schlechter Leistungen, verkauft die Ruder, stoppt alle Investitionen in ein neues Gerät und die Entwicklung eines neuen Bootes.

Der Beraterfirma wird lobende Anerkennung für ihre Arbeit ausgesprochen.
Das eingesparte Geld wird an das obere Management ausgeschüttet.